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Unterwegs auf der Großbaustelle
 

Vernetzungstreffen von Eisenbahnexperten im Rahmen der Fachtagung
„Eisenbahnpersonenverkehr als wichtiger Attraktivitätsfaktor für große Flughäfen –
Das Weißbuch der EU und Auswirkungen auf den Eisenbahnpersonenverkehr”

der DMG-Bezirksgruppe Berlin vom 22. Sept. 2011

 
Leere Terminals und einsame Bahnsteige: So wird der neue Flughafen Berlin Brandenburg nach seiner Eröffnung wohl nie wieder zu erleben sein. Die Knorr-Bremse Berlin organisierte für die Tagungsgäste der Deutschen Maschinentechnischen Gesellschaft einen exklusiven Einblick in die finalen Bauarbeiten des etwa vier Milliarden Euro teuren Projekts.
 
unterwegs auf der Großbaustelle, Bild 1Nach der Begrüßung durch den Bezirksgruppenleiter Berlin, Dr. Matthias Krug, der das Werk der Berliner Zweigniederlassung der Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH leitet, hieß es zunächst: umkleiden. Denn noch sind Sicherheitsschuhe, Warnwesten und Bauhelme Pflicht für die Besucher des Flughafengeländes im Süden Berlins. Die Tagung vom 22. September 2011 drehte sich um die derzeit wohl größte Baustelle Berlins: Den neuen Flughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld. Im Bus wurden die Teilnehmer durch das Gelände gefahren und konnten auf dem Info-Turm aus der Vogelperspektive auf das neue Terminal blicken. „Ein Leitkonzept der Flughafenplanung ist »alles unter einem Dach«, weshalb es auch nur ein Terminal-Gebäude gibt und man nicht mehr nach A, B oder C suchen muss”, informiert Mireille Bianca Setiawan, die als Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit die Besuchergruppe führte. In dem hufeisenförmigen Flughafengebäude können 27 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden, womit der Flughafen in Deutschland auf Platz drei hinter Frankfurt und München liegen wird. Jedoch sind noch freie Bauflächen für zwei zusätzliche Erweiterungsmodule vorhanden, die die Kapazität noch einmal erhöhen.
 
Mit der Neueröffnung werden bekannterweise der Flughafen Tegel sowie der alte Bestandsflughafen Berlin-Schönefeld geschlossen. Letzterer wird dann zum Regierungsflughafen umfunktioniert, das Auswärtige Amt baut hier für 125 Mio. EUR ein neues Terminal. Die bereits bestehende Nordbahn wird natürlich weiterhin gemeinsam genutzt, die neue Südbahn wurde soeben fertig gestellt. Sie ist aus haltbarem Beton gegossen und länger und breiter als die alte Bahn, so dass hier auch der Airbus A380, das größte Passagierflugzeug, starten und landen kann.
 
unterwegs auf der Großbaustelle, Bild 2„Das zweite Hauptkonzept des Flughafens ist das der »kurzen Wege«”, so Frau Setiawan. So liegt der neue, unterirdische Durchgangsbahnhof für die Fernverkehrsanbindung direkt unter dem Terminal. Bei einer einmaligen Führung für die Fachgäste der DMG konnte auch hier der Stand der Dinge betrachtet werden: Selbst die Digitalanzeigen und Beschilderungen sind bereits angebracht. Theoretisch könnte der Bahnhof Anfang November in Betrieb gehen – wenn der Flughafen fertig wäre. So wird der Bahnhof aus Sicherheits- und Brandschutzgründen vorerst nur als Tunnel in Betrieb genommen werden.
 
Die größeren Planungsdimensionen brachte im Anschluss Alexander Kaczmarek vom Berliner Büro der DB Holding in seinem Vortrag näher. Da sich der heftig umstrittene Ausbau der sogenannten „Dresdner Strecke”, die südöstlich in die Stadt führen würde, sicher noch länger hinauszögern werde, müssten für die Zuganbindung des Flughafens die vorhandenen Gleise genutzt werden: Die „Anhalter Strecke”, die südlich zum Hauptbahnhof führt, sowie die östliche Stadtbahn. Diese Strecken seien allerdings bereits viel befahren. „Solange die Dresdner Strecke nicht gebaut werden kann, müssen sich die Flughafenzüge nicht nur in den bestehenden Fahrplan einfädeln, sondern werden auch von Verspätungen betroffen sein, die beispielsweise Züge aus Richtung München mitbringen”, so Kaczmarek. Vorerst wird es ICE-Verbindungen Richtung Wolfsburg/Hannover/NRW bis Amsterdam geben, sowie EC-Verbindungen über Cottbus/Breslau nach Krakau und über Lüneburg nach Hamburg. Regionalzüge werden bis zum Hauptbahnhof etwa 30 Minuten Fahrzeit benötigen.
 
unterwegs auf der Großbaustelle, Bild 1Zum Abschluss der Expertentagung informierte Prof. Hecht von der Technischen Universität Berlin über die Knappheit der verfügbaren Master-Studienplätze für Fahrzeugtechnik. Prof. Gärtner stellte den Seminarplan der DMG für das kommende Jahr vor. Die Teilnehmer aus Wirtschaft und Wissenschaft zeigten sich von dem abwechslungsreichen und informativen Programm begeistert.
 
(Matthias Weigel)
 
 
 
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